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Kleine Baumkunde

Einen Schatz zu vergraben, ist eine gute Idee. Nur der Vergrabende weiß, wo er zu finden ist. Dieser Grundsatz gilt auch für wichtige Dokumente und Schmuck. Beabsichtigt man, seinen Erben mitzuteilen, wo diese Dinge vergraben sind, fertigt man eine genaue Beschreibung an und übergibt diese in einem versiegelten Umschlag seinem Anwalt. So weit, so gut.

Aber: Was tun die armen Anverwandten, wenn sie die Kassette mit dem wertvollen Inhalt trotz der detaillierten Instruktion nicht finden? Sie wenden sich an einen Privatdetektiv. Im beschriebenen Fall an Michael. (Ich werde das Geheimnis seiner Identität bald lüften.) Nachdem die Erben ihm also ihr Leid geklagt hatten, nahm er den Auftrag an und sich selbst die schriftlichen Instruktionen vor. Nachdem er das getan hatte, begab er sich an den Ort, an dem sich das Versteck befinden sollte; einen mecklenburgischen Bauernhof.

Der Schatten einer Baumspitze sollte zu einer bestimmten Zeit (das exakte Datum war angegeben) auf den Punkt fallen, in dessen Nähe  die Kassette vergraben worden sein sollte. Der Zeitpunkt war bereits vorüber, was aber unerheblich war: Das große Loch im Boden zeigte deutlich die Stelle, an der der Schatten des Baumes endete. Es handelte sich um ein sehr tiefes Loch mit einem großen Durchmesser. Die Erben hatten ganze Arbeit geleistet. ("Grabt nur, grabt …" – Die literaturbegeisterten Blogleser werden die Anspielung verstehen.) Michael sah sich das Loch an. Dann drehte er sich um und betrachtete den Baum, dessen Schattenspitze den entscheidenden Hinweis hätte liefern sollen. Als typisches Stadtkind fragte er einen der Anwesenden, um was für einen Baum es sich handeln würde. Dann griff er zu seinem Handy und rief jemanden an. Einen Absolventen der Forstakademie Eberswalde, wie er mir später erzählte. Von den anwesenden Erben lieh er sich ein Maßband, befestigte es am Baumstamm und rollte es aus, wobei er am Loch vorüberging und dann das Maßband über das Loch haltend weiter ausrollte. Dann legte er einen Stein auf den Boden und forderte die Leute auf, dort zu graben. Als er ihre zweifelnden Blicke sah, grinste er nur. Sie gruben also und stießen schließlich auf das Objekt ihrer Begierde. Große Freude allerseits.

Was war nun das Geheimnis? Der von Michael angerufene Forstmensch hatte interessante Dinge über das Wachstum von Bäumen erzählt, unter anderem über die Wachstumsgeschwindigkeit der Schwarzpappel. Der Rest war simpel. Anhand des Datums der Anleitung konnte er herausfinden, wie lange der Baum noch weitergewachsen war. Da er nach dem Anruf wusste, wie schnell eine Schwarzpappel wächst, war nur noch eine einfache Rechenaufgabe zu lösen. Man kann sich fragen, warum die Erben, die den Hof ja kannten, nicht von selbst auf die Idee gekommen waren. Manchmal sieht man eben den Wald vor lauter Bäumen nicht. Hinzu wird eine gewisse Aufregung gekommen sein. Die Dokumente waren offenbar wichtig und der Schmuck nicht gerade billig …

Als Michael mir von dem Ereignis berichtete, machte er deutlich, dass sich die intellektuellen Herausforderungen eines Detektivs häufig auf diesem Niveau befinden würden. Es gebe aber Ausnahmen, für die es sich lohne, diesen Beruf zu ergreifen.

 

6.8.12 11:18
 


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